02.09.2007

Köllner Stadtanzeiger: Aachener Friedenspreis verliehen

Aachen - Die Friedensgemeinde San Jose de Apartado in Kolumbien und der Gründer des Kinderzirkus' "Pinocchio", Jupp Steinbusch, haben den Aachener Friedenspreis erhalten. Beide Preisträger leisteten "unbedingten Widerstand gegen jede Form des Krieges", sagte Laudator Thomas Antkowiak, Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, bei der Preisverleihung am Samstag. Die Gewürdigten mahnten "zum vorbehaltlosen Einsatz für den Frieden". Der Preis ist mit je 1.000 Euro dotiert.

Zirkusgründer Steinbusch und die Menschen in San Jose und anderen kolumbianischen Friedensdörfern machten Mut, betonte Antkowiak. "Sie nehmen uns mit auf ihrem Weg bei der Bewältigung des Krieges." Ihr Einsatz lehre, dass gegen Brutalität und Gewalt Solidarität notwendig sei. Den Aachener Friedenspreis bezeichnete der Laudator als "Zeichen der Hoffnung für alle, die nicht wegschauen, wo Feindseligkeit und Gewalt um sich greifen".

Die Friedensgemeinde San Jose de Apartado in der Provinz Antiochia wurde 1997 gegründet. Die Bauern der Region wollten damit ein Zeichen des Widerstands gegen Flucht und Vertreibung setzen. Hintergrund sind seit Jahrzehnten währende Kämpfe zwischen Regierungstruppen, Paramilitärs und anderen Gruppen. Sie machen umkämpfte Gebiete fast unbewohnbar und vertreiben die Landbevölkerung. Die Bewohner der landesweit 50 Friedensgemeinden verzichten auf Kooperation mit den Konfliktparteien und bekennen sich zum gewaltfreien Widerstand. Alkohol und Drogen sind bei ihnen verboten. Unterstützung leistet die christliche Nichtregierungsorganisation "Justicia y Paz".

Lebensmut und Kraft vermitteln

Der 64-jährige Steinbusch ist Diplom-Sozialarbeiter und tritt in seinem 1995 gegründeten Kinderzirkus als Clown auf. Jedes Jahr zieht er für sechs Wochen durch ehemalige Kriegsgebiete in Bosnien, Kroatien und Serbien. Außerdem spielt er vor Kindern im nordirischen Belfast und im russischen Sankt Petersburg. Die Vorstellungen stehen unter dem Motto "Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen".

Die Bürgerinitiative Aachener Friedenspreis vergibt ihren Preis seit 1988. Sie will Persönlichkeiten oder Organisationen würdigen, die sich "von unten" für den Frieden einsetzen. 2006 ging der Preis an den Verein "Hilfe für Menschen in Abschiebungshaft Büren". Frühere Preisträger waren der katholische US-Theologe Roy Bourgeois und die Münchner Schauspielerin Hanne Hiob, Tochter von Bertolt Brecht, die Flüchtlingsorganisation "Pro Asyl" und die ökumenische US-Gruppe "Pastoren für den Frieden".
(kna)

Gildardo Tuberquia, Jupp Steinbusch and Nohelia Tuberquia sind mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden.